Spaced Repetition erklärt: Warum du mit dieser Methode nichts mehr vergisst

Spaced Repetition ist keine Lern-App-Funktion. Es ist die wissenschaftlich am besten belegte Lernmethode überhaupt — und die meisten Studierenden kennen sie nicht.

Hast du dich je gefragt, warum du kurz vor der Prüfung paukerst, alles weißt — und zwei Wochen später ist das meiste wieder weg? Das ist kein Versagen deines Gehirns. Das ist Biologie.

Und es gibt eine Methode, die genau dieses Problem löst: Spaced Repetition, auf Deutsch auch als verteiltes Lernen oder Intervallwiederholung bezeichnet.

Das Vergessen ist vorprogrammiert — dank Ebbinghaus

1885 entdeckte der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus etwas Fundamentales: das Vergessen verläuft nicht linear, sondern exponentiell. In den ersten Stunden nach dem Lernen vergessen wir am schnellsten — innerhalb eines Tages ist oft mehr als die Hälfte weg.

Diese sogenannte Vergessenskurve zeigt: Wenn wir Informationen nur einmal aufnehmen und nie wiederholen, sind sie innerhalb einer Woche fast vollständig vergessen.

Ebbinghaus entdeckte aber auch die Lösung: Wiederholung zum richtigen Zeitpunkt. Wer kurz vor dem Vergessen wiederholt, konsolidiert die Information im Langzeitgedächtnis — und verschiebt die nächste Vergessenskurve weiter nach rechts.

Was ist Spaced Repetition genau?

Spaced Repetition bedeutet: Du wiederholst Lernstoff in zunehmenden Zeitabständen, immer genau dann, wenn du kurz davor bist, ihn zu vergessen.

Das sieht praktisch so aus:

1.     Neue Information: Morgen wiederholen

2.     Sitzt gut: Übermorgen wiederholen

3.     Sitzt sehr gut: In 4 Tagen wiederholen

4.     Beherrschst du perfekt: In 2 Wochen wiederholen

 

Karten, die du schwer findest, siehst du häufiger. Karten, die du gut beherrschst, seltener. Das Ergebnis: Maximale Effizienz.

Der SM-2 Algorithmus — das Herzstück

Die bekannteste Implementation von Spaced Repetition ist der SM-2 Algorithmus, entwickelt von Piotr Woźniak in den 1980ern und heute in Apps wie Anki und Geniusary eingesetzt.

Nach jeder Karte bewertest du, wie gut du die Antwort wusstest — zum Beispiel auf einer Skala von 0 (komplett falsch) bis 5 (perfekt). Der Algorithmus berechnet daraus, wann du diese Karte als nächstes sehen sollst.

Die Mathematik dahinter ist elegant: Je öfter du eine Karte richtig beantwortest, desto länger das nächste Intervall. Eine perfekt beherrschte Karte brauchst du nach Monaten nur noch einmal — und erinnerst dich trotzdem.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

•       Studien zeigen eine Verbesserung der Langzeitretention um 100–300% gegenüber Massenlernen

•       Wissenschaftler der Johns Hopkins University fanden: Verteiltes Lernen ist das 'Beste, was die Kognitionswissenschaft der Bildung geben kann'

•       Besonders in der Medizin ist Spaced Repetition seit Jahrzehnten Standard — USMLE-Vorbereitungen setzen fast ausschließlich darauf

•       Meta-Analysen über 100+ Studien bestätigen: Spaced Repetition schlägt jede andere einzelne Lernmethode

 

Spaced Repetition im Alltag: Wie du sofort startest

Schritt 1: Lernmaterial in Karten aufteilen

Spaced Repetition funktioniert mit Karteikarten — eine Frage vorne, eine Antwort hinten. Je atomarer (kleiner) die Karte, desto besser. 'Was ist Photosynthese?' ist gut. 'Erkläre die Biologie' ist zu groß.

Schritt 2: Tägliche kurze Sessions statt Marathon

Der Schlüssel: Lieber 15–20 Minuten täglich als 3 Stunden am Wochenende. Das Gehirn konsolidiert Wissen im Schlaf — je mehr Nächte zwischen den Sessions, desto tiefer sitzt das Wissen.

Schritt 3: Ehrlich mit dir selbst sein

Nur wenn du ehrlich bewertest, wie gut du eine Karte beherrschst, funktioniert der Algorithmus optimal. 'War leicht' zu drücken, wenn du geraten hast, schadet nur dir.

Spaced Repetition Apps — welche ist die beste?

Die bekanntesten Apps für Spaced Repetition im deutschsprachigen Raum:

•       Anki — kostenlos, sehr mächtig, hohe Lernkurve, kein Deutsch-Support, keine KI

•       Quizlet — bunt und beliebt, aber kein echter SR-Algorithmus, vor allem auf Englisch

•       StudySmarter — deutsch, schöne UI, aber begrenzte KI-Features

•       Geniusary — KI generiert Karten aus deinen eigenen Skripten, echter SM-2 Algorithmus, auf Deutsch

 

Für alle, die Spaced Repetition konsequent mit eigenen Materialien nutzen wollen, ohne Stunden in die Kartenerstellung zu investieren, ist Geniusary die effizienteste Wahl.

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Häufige Fragen zu Spaced Repetition

Wie lange brauche ich täglich für Spaced Repetition?

Am Anfang etwas mehr, da viele neue Karten auftauchen. Nach der Einarbeitungsphase reichen 15–30 Minuten täglich für mehrere Fächer — das ist der große Vorteil gegenüber Blocklernens.

Funktioniert Spaced Repetition für alle Fächer?

Am besten funktioniert es für faktisches Wissen: Medizin, Jura, Sprachen, Biochemie, Geschichte, BWL. Für Verständnisfragen (Mathematik, Physik, Informatik) empfiehlt sich die Kombination mit anderen Methoden wie dem Feynman-Prinzip.

Wann sollte ich mit Spaced Repetition anfangen?

So früh wie möglich im Semester — idealerweise direkt nach der ersten Vorlesung. Je früher du anfängst, desto weniger Stress kurz vor der Prüfung.

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